Firmen MÜSSEN also Geld verdienen.

Von Werbung befreit?

August 7, 2007 · Keine Kommentare

Die Masse der Fernseh-Konsumenten fühlt sich gut in der Annahme sie habe durch den hauseigenen DVD-Player/ -recorder, durch das Internet, durch YouTube, Google-Video oder Pay-TV die Möglichkeit zwischen Werbefernsehen und werbefreiem Fernsehen zu wählen. Sicherlich, diese Wahlmöglichkeit hat sie - wie sie auch die Möglichkeit besitzt, die ihr vorgegebenen Parteien unseres Demokratie-Systems auf dem Wahlvordruck zu wählen. Soll heißen, der Wahlzettel unterscheidet sich nicht sehr von der Fernbedienung oder den Navigationsleisten virtueller Web-Angebote.

Und sicherlich, wo viel Werbung erscheint, wird nicht nur Umsatz erzeugt sondern gehen kritische Konsumenten mitunter neue Wege und strafen beispielsweise die Privatsender mit Unaufmerksamkeit oder mit Heimkino. In Zeiten, in denen die Ressource Aufmerksamkeit mehr wiegt als jedes Barrol Öl, eine schwere Strafe für jede Sendeanstalt - aber es handelt sich hier nicht um eine kritische Masse von Konsumenten sondern um kritische Einzelfälle, um die wiederum sich die Werbewirtschaft kümmert, beispielsweise mit Pay-TV oder YouTube, je nach dem, um wie viele abtrünnige Einzelfälle es sich handelt; zunehmend mehr.

Privatsender werden, gleich wie viele Heimkinos entstehen und die Aufmerksamkeit der Verbraucher in das Internet abwandert, auf Werbung bzw. Werbeeinnahmen nicht verzichten. Auf neue Werbeformate, neue, nämlich fantastisch interaktive und darum viel mehr persönliche Daten sammelnde Werbekanäle schon gar nicht, um die verlustig werdenden Zuschauer am Ende ihrer Wege mit noch mehr Angeboten zur Selbstbestimmung zu empfangen - my space ist auch Dein space. Werbefreies Fernsehen wird es auch morgen noch nicht geben, vielleicht übermorgen und vielleicht für die Zeit der Umstellung.

“Von der Werbung befreit” erscheint mir, mit Verlaub gegenüber denen die dies vorhersehen, nahezu idealistisch - was der kritische Verbraucher sich auf DVD anschauen kann, ist stets von vorgestern. Alles andere ist eine private “Serviceleistung” des Konsumenten selbst; das Festplattenrekordern wie auch die private Programmzusammenstellung per DVD-Kollektion wie auch das allabendliche, durchaus unterhaltsame Herumgeklicke auf YouTube.

Ich werde zunächst folgendes glauben: man wird die Werbung - gerade weil Konsumenten sich ihrer entziehen möchten - noch effizienter einsetzen, noch konsumentengerechter, entsprechend unserem individuellen Nutzungsverhalten, unserem Wunsch nach Selbstbestimmung, von der Industrie via Internet-Surf-Verhalten, Meinungsumfragen, Statistiken, media-Analysen etc. absorbiert, registriert und archiviert und zu Verkaufs- und Kundenbindungszwecken wieder verwendet.

Die Zukunft und die Gegenwart wird ohne Werbung nicht finanzierbar sein und die Vergangenheit lässt sich, wie erwähnt, denn das ist in der Tat eine Möglichkeit, werbefrei zusammenstellen - dafür wird dann jedoch Software und Hardware notwendig und die eingangs erwähnte selbst gekaufte DVD-Kollektion führt im Zweifelsfall beim Erstkäufer zu Ausgaben, die Werbung in der Regel bezwecken soll. Soll heißen, wer sich der Werbung entzieht, wird dafür zahlen. Wer sich ihr nicht entzieht auch.

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Internetkonsum statt TV-Nutzung

Juli 30, 2007 · 2 Kommentare

Jeder will es als erste/ r wissen: Wie wir bald fernsehen werden, dass beschreibt nun Lisa Nienhaus im faz.net. Bisweilen habe Youtube nicht mit den Bewegtbildern des Fernsehens mithalten können, erklärt Nienhaus eingangs. Das Konkurrenz nie ein Auge zumacht ist uns kein Geheimnis und so tauchen die Mitbewerber der klassischen Rundfunkanstalten mit gleichwertiger Qualität nun auf den Monitoren der PC und Macintosh-Computer auf. Oder mit fast ebenbürtiger Qualität. Aber ihr Abriss, der wie alle anderen derzeit verfassten Artikel über die Entwicklungen der Medienbranche, ist nicht mehr als eine Momentaufnahme, auch nicht weniger. Steckenpferd des scheinbar gehetzten europäischen Strukturwandels sei Joost, jene Firma, die schon mit Kazaa und Skype Wellen schlug. Am Start-Up Joost haben u.a. auch CBS Corporation und Viacom neben einem Risikokapitalgeber Anteile bereits in der Tasche. Am Programm wird sich dann nicht viel ändern - nicht viel: Werbung wird nicht weg zu zappen sein.  Die User zahlen nichts  für  den  Empfang.  Eine  zukunftsträchtige Lösung  für die Medienanstalten? Nein, RTL, ZDF oder die ARD folgen - zumindest in Deutschland - eigenen Visionen zur Rückgewinnung der ans Internet verlorenen Publikumsgemeinde. Auch die englische BBC entwickelt darüber hinaus ihre individuellen Ideen. Wenn das Internet sich weiterhin in Richtung personalisierten Angeboten entwickeln wird, so wird es auch keine allgemeingültige Sendeform geben - die technologischen Möglichkeiten und die Interessen der Jugendlichen oder Senioren, sie unterscheiden sich heute und auch in Zukunft.

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Die Neugier der Wegwerfgesellschaft

Juli 30, 2007 · Keine Kommentare

Unterhaltung für die Mahlzeit: Interessant sind die Dinge die nicht zur Veröffentlichung gedacht waren. Die Magazine die wir kennen erleiden darum einen Mangel an Aufmerksamkeit, weil sie vielfach nicht nur berechenbar scheinen, sondern Geschichten und Informationen veröffentlichen, die, man kann sich das einmal zugestehen, selten mehr sind als Werbekataloge mit  serviceorientierten Einweg-Geschichten - zum Wegwerfen produziert. Ein Magazin ist dann gut, wenn es nach dem Lesen nicht im Mülleimer verschwindet. Vielleicht liegt es an den Autoren der Beiträge, dem mitunter längst zu professionellen Umfeld, in dem die Magazine hergestellt werden - ein ganzes Redaktionsteam handelt bis alles perfekt, ganz ohne Makel über die Korrekturfahne in die Fertigung geht. Das Foundmagazine stellt eine erfrischende Abwechslung für die knapp gewordene Ressource Aufmerksamkeit. Vielleicht nicht die Neuerfindung des Rads aber dennoch: veröffentlicht werden private Angelegenheiten - Fotos, Notizen, Nachrichten, Adressbücher von Ex-Knastis (?) und geheime Liebeserklärungen, doch nicht von professionellen Redakteuren und Autoren verfasst, eher in Straßenbahnen, auf Parkplätzen oder an Bushaltestellen als profitabler Müll entdeckt. Angefangen hat alles in einem Recyling-Zentrum nahe Chicago. Rund um den Globus erreichen die beiden Herausgeber Davy Rothbart und Jason Bitner inzwischen täglich neue Fundstücke. Für Menschen die eine Neugierde für das Privatleben anderer pflegen und die wirklichen , statt konstruierter Geschichten bevorzugen.


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